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Eine filmreife Vorstellung

VON KATJA WEINIG 
In den 100 Jahren seines Bestehens hat das Taunusgymnasium Königstein (TGK) eine Menge erlebt: zwei Weltkriege, mehrere Beinahe-Pleiten, die Schülerproteste der späten 60-er Jahre, Neu- und Umbauten, eine Asbestsanierung und immer wieder Schulreformen. Drei Schüler haben jetzt die Geschichte ihrer Schule in einem Film dokumentiert. 

Viele Stunden ihrer Freizeit haben Gina Linnert, Lea Landmann und Alexander Hanke (von links) in den Film gesteckt.Bilder >Viele Stunden ihrer Freizeit haben Gina Linnert, Lea Landmann und Alexander Hanke (von links) in den Film gesteckt.
Königstein. Für Lea Landmann war es „eine Ehre, diesen Film erstellen zu dürfen“. Mehr als ein halbes Jahr lang hat sich die Oberstufenschülerin zusammen mit Gina Linnert und Alexander Hanke (alle 17) durch die Geschichte des TGK gearbeitet. Sie haben Zeitzeugen befragt, Dokumente im Stadtarchiv gesichtet, Fotos des Heimatvereins durchforstet, unzählige Interviews geführt und ein Drehbuch geschrieben. Während ihre Klassenkameraden in die Sommerferien fuhren, begann für sie die heiße Phase ihres Projekts: Zwei Wochen lang standen sie in der „fast schon gespenstisch leeren“ Schule und an Originalschauplätzen wie dem Klärchenweg, dem früheren Schulstandort, vor und hinter der Videokamera. Danach ging es für Schnitt und Vertonung an den heimischen Computer. Herausgekommen ist ein einstündiger Dokumentarfilm, der anlässlich der offiziellen 100-Jahr-Feier im September (wir berichteten) Premiere feierte.Die Gründung des TGK geht auf einen Beschluss der Königsteiner Stadtverordneten vom 25. Februar 1916 zurück. Damals, mitten im Ersten Weltkrieg, entschieden sie, die städtische Rektoratsschule, die ausschließlich von Jungen besucht wurde, in eine höhere Schule umzuwandeln. Noch im selben Jahr wurde die neue „Taunusrealschule“ mit der Mädchenschule, dem „Taunusinstitut“, zusammengelegt – angesichts der damaligen gesellschaftlichen Normen ein mutiger Schritt. Die Aufgabe, den gemischtgeschlechtlichen Unterricht zu einem Erfolgsmodell zu machen, oblag dem ersten Direktor Professor Dr. Molinar. Gelehrt wurde alsbald in einem herrschaftlichen Anwesen im Klärchenweg oberhalb des heutigen Kurbads. Einst für 60 Schülerinnen erbaut, drängten sich in Spitzenzeiten bis zu 620 Mädchen und Jungen in den Räumen. So eng es drinnen zuging, so großzügig war das Außengelände: „Wir hatten den schönsten Pausenhof Deutschlands“, erinnert sich ein ehemaliger Schüler, „den Falkensteiner Burghain.“

Parteitreuer Direktor

Nach der schwierigen Besatzungszeit durch Franzosen und Engländer sowie einer kurzen Phase des Atemholens nahmen in den 30-er Jahren auch an der Taunusrealschule die Nationalsozialisten das Heft in die Hand. Nach der Reichspogromnacht 1938 veränderte sich das Schulleben deutlich. Jüdische Kinder wurden getrennt unterrichtet, jüdische Lehrer entlassen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschwerte den Schulalltag weiter. Dennoch wurde die Realschule 1939 in eine städtische Oberschule umgewandelt und hieß fortan „Taunusschule“. Im Frühjahr 1945 wurde der Schulbetrieb geschlossen.

Unter der Leitung von Ernst Majer-Leonhard öffnete das „Schülchen“ 1946 erneut – ohne Lehrmaterial, ohne Tische und Bänke in den Zimmern. Der langjährige Direktor prägte das Profil der Schule nachhaltig. Noch im 2002 verabschiedeten Schulprogramm finden sich in Anlehnung an Majer-Leonhard Werte wie „Persönlichkeitsentwicklung“ und „soziale Verantwortung“. Mehrfach gelang es ihm, die Schule dank Spenden der Elternschaft vor der Pleite zu bewahren – auch die Idee eines Fördervereins geht auf ihn zurück.

Ostern 1958 platzte die Schule schließlich aus allen Nähten. Stadt, Kreis und Land hatten endlich ein Einsehen und genehmigten einen Neubau. Bis zum Einzug in der Falkensteiner Straße 18 sollten aber noch vier Jahre vergehen. Im September 1962 wurde der Neubau (der heute die Friedrich-Stoltze-Schule beherbergt) eingeweiht.

Die Proteste der 68er-Bewegung machten auch vor der Taunusschule nicht halt, was ein Artikel dieser Zeitung belegt: „Lehrerkonferenz gesprengt, Klasse besetzt, Hungerstreik“. Auf den Verweis eines Schülers hatten die Schulkameraden mit Protesten und einem Sitzstreik reagiert. Dem umsichtigen Handeln der Verantwortlichen sei es zu verdanken gewesen, „dass die Ausein-andersetzung intellektuell blieb“, erinnert sich ein Zeitzeuge.

Nur gut zehn Jahre nach dem Umzug in die Falkensteiner Straße wurde es erneut zu eng. Das heutige Schulgebäude entstand als Erweiterungsbau und konnte im Oktober 1974 bezogen werden. Die zum Bau verwendeten Stoffe enthielten allerdings Asbest: 1991 musste das Gebäude bis auf die tragenden Betonelemente rückgebaut und kernsaniert werden. Während der Arbeiten wurden mehrere Klassen nach Stierstadt ausgelagert. Zwar erschwerte die unumgängliche Sanierung das Schulleben erneut, es gab jedoch auch positive Effekte: Der Theatersaal entstand, die Bibliothek und die Verwaltung erhielten mehr Raum.

Wechselndes Schulmodell

Der Film erzählt die Entwicklung einer Zubringerschule bis zum Gymnasium. Auf dem Weg dorthin veränderte sich das Schulmodell immer wieder: So wurde die Schule 1977 trotz erbitterter Elternproteste in eine Gesamtschule umgewandelt. 1995 entschied man sich für eine Trennung der Schulzweige. Die heutige Friedrich-Stoltze-Schule für Haupt- und Realschüler sowie die Taunusschule, die sich 2006 in „Taunusgymnasium Königstein“ umbenannte, gehen seither getrennte Wege. Im Jahr 2004 wurde der erste G8-Jahrgang aufgenommen, vor zwei Jahren eine halbe Rolle rückwärts: Die Schüler können nun wählen, ob sie in acht oder neun Gymnasialjahren zum Abitur gelangen möchten. Unter der Leitung von Roswitha Stengl-Jörns erhielt die Schule 2009 die angesichts des Nachmittagsunterrichts dringend benötigte Caféteria. Zehn Prozent der Baukosten von einer Million Euro steuerte die Schule selbst bei. Mit der gerade erst abgeschlossenen Sanierung des Schulhofs endet die Zeitreise.

Der Film klingt mit Wünschen und Ausblicken von Lehrern aus. Und wie sehen das die drei Filmemacher? „Ein besseres sportliches und außerschulisches Nachmittagsangebot“ wünschen sich Linnert, Landmann und Hanke, und „ein stärkeres Wir-Gefühl an unserer Schule, auch über Schüler-Lehrer-Grenzen hinweg.“ Ihr Film trägt dazu ganz sicher bei.

Der Dokumentarfilm „100 Jahre Taunusgymnasium“ kann als DVD (Dateiformat mp4) über das Sekretariat des TGK bestellt werden (sekretariat@tgk.hochtaunuskreis.net) und kostet 15 Euro

http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Eine-filmreife-Vorstellung;art48711,2273733

Taunuszeitung v. 18.10.2016

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